29.06.2012
Abkürzungen, Fachbegriffe und „Denglisch“ erschweren das Verständnis von öffentlichen Reden
Plädoyer für mehr Klarheit in der Kommunikation
Unter dem Motto „Was ist ein Cluster? Wie wir täglich über die Köpfe der Leute hinwegreden.“ Traf sich der der gemeinsame Arbeitskreis „Sprache und Unternehmenskommunikation“ der DPRG und des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VdRS) in Frankfurt am Main. Dirk Metz, ehemals Staatssekretär in der Hessischen Staatskanzlei und dienstältester Regierungssprecher in Deutschland und heute selbstständiger Kommunikationsberater in Frankfurt, referierte zum Thema.
Abkürzungen, Fachbegriffe und „Denglisch“ erschwerten das Verständnis von öffentlichen Reden, viele Begriffe seien den Menschen fremd, obwohl die Fremdsprachenkenntnisse heute besser seien als vor 30 oder 40 Jahren. Gerade angesichts der Veränderungen der letzten Jahre in der Arbeits- und vor allem der Medienwelt viele Menschen fänden sich viele Menschen auch sprachlich nur in ihren engeren Lebens- und Arbeitsbereichen wirklich zurecht, trug Dirk Metz vor.
Metz ging auch auf Heute-Journal-Moderatorin Marietta Slomka ein, die in ihrer Dankesrede anlässlich der Verleihung des Medienpreises für Sprachkultur die "umständliche und krampfhafte Sprache" von Politikern kritisiert und mehr Klarheit in ihrer Kommunikation gefordert hatte. Wer sich nicht klar ausdrücke, habe entweder keine klaren Gedanken und damit das Thema nicht verstanden oder aber versuche Probleme zu verschleiern. Metz machte allerdings darauf aufmerksam, dass es gute Gründe gebe, weshalb viele Politiker oder Wirtschaftsführer in Fernsehinterviews als unklar oder umständlich herüber kämen: Vieles sei auf Verkrampfung zurück zu führen, weil die Betroffenen wüssten, dass ihre Aussagen im Meinungskampf benutzt und ausgenutzt, weil sie wüssten, dass bei „normalen“ Statements oder Interviews letztlich nur 15 oder 20 Sekunden ins Programm kämen, die Betroffenen also nur keine Fehler machen und ihre Botschaft herüber zu bringen versuchten.
Auch der jüngste Auftritt des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer sei nicht der Beginn einer neuen Ära der politischen Kommunikation, sondern ein einmaliges Ereignis. Metz: „Einmalig kommt das sympathisch rüber. Wenn Seehofer das aber dauerhaft machen würde, würden ihm Medien, politische Freunde und Gegner bescheinigen, völlig von der Rolle zu sein.“
In Bezug auf den jetzigen Bundespräsidenten, den Slomka dafür gelobt habe, weil er oft in der „Ich-Form“ spreche, hob Metz hervor, der Ratschlag Slomkas, dass auch andere Politiker so auftreten sollten, führe dazu, dass diese sich dann dem Vorwurf des Egozentrismus ausgesetzt sehen würden. Der Bundespräsident sei eben kein Teil des politischen Meinungskampfes.
Insgesamt seien die Bürger heute weniger an Fakten als an Bildern interessiert. Das Durchschnittsalter der Zuschauer von Tagesthemen und Heute betrage 65 beziehungsweise 66 Jahren. Jedes Jahr nehme auch die Zahl der verkauften Auflagen von Tageszeitungen um zwei Prozent ab. Daraus zu folgern, dass nun Internet sie alle ersetze, sei ein Trugschluss. Denn Internet sei vorwiegend ein Unterhaltungsmedium und kein Informationsmedium. Zudem entfalle der „Mitnahmeeffekt“, der sich beim Durchblättern von Zeitungen quasi automatisch ergebe, wenn jemand über eine spannende Überschrift oder ein tolles Foto „stolpere“, auch wenn er oder sie nicht kultur- oder sportinteressiert sei.