SUCHE  
KONTAKT
IMPRESSUM

Kommunikator des Jahres 2008



WWW.DPRG.DE >>

Kommunikator des Jahres 2008


Rede von Karl Kardinal Lehmann anläßlich der
Verleihung des „Deutschen PR-Preises 2008“
der Deutschen Public Relations-Gesellschaft:
„Kommunikator des Jahres“
am 19. September 2008 im Kurhaus in Wiesbaden


"Ihr Preis „Kommunikator des Jahres“ ist für mich die bisher überraschendste Auszeichnung, die ich empfangen habe, über die ich mich aber gerade deshalb sehr gefreut habe. Ich empfinde es als eine besondere Verleihung, weil eine renommierte Gesellschaft von Professionellen, nämlich die Public Relations-Gesellschaft, einem Laien, einem Nicht-Professionellen diese Anerkennung zuteil werden lässt.

Ich möchte Ihnen deshalb sehr herzlich für die Verleihung des Preises danken, ganz besonders Ihnen, Herr Präsident Ulrich Nies, heute Leiter der BASF-Kommunikation Europa, und Herr Prof. Franz Klöfer, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit Personal- und Führungsfragen (FH Mainz), und der dafür zuständigen Jury. Ich freue mich außerdem, dass ich im Kreis von anderen Preisträgern sein darf, nämlich Herrn Prof. Klaus-Peter Müller und Herrn Hans Wilhelm Gäb, mit denen ich seit langem auf vielfache Weise verbunden bin.

Als jemand, der in akademischer Hinsicht von der Philosophie und der Theologie herkommt und seit 25 Jahren ein kirchenleitendes Amt ausübt, bin ich immer wieder durch Kommunikation herausgefordert. Die 2000 Jahre alte Botschaft des christlichen Glaubens ist zwar in ihrem Ursprung an unsere geschichtlichen Zeitenwende (vor und nach Christi Geburt) gebunden, war aber von Anfang nicht an eine Sprache gefesselt, sondern musste in andere Kulturkreise und Sprachwelten übersetzt werden, und dies auf der weiten Welt bis zum heutigen Tag. Diese Aufgabe hat mich immer wieder als Vermittlungsaufgabe fasziniert. Deswegen habe ich auch schon vor dem Abitur für die Medien geschrieben, nicht nur in der Sportberichterstattung, sondern auch durch kleine Artikel zu kulturellen Themen.

Schließlich musste ich Schritt für Schritt lernen, diese Übersetzungsversuche in anderen Kontexten und mit unterschiedlicher Verantwortung auszuüben, über 20 Jahre als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Dies ist ein Amt, das fast mehr von seiner öffentlichen Vermittlungsaufgabe zehrt als aus den rechtlichen Befugnissen allein.

Ich habe in diesen Situationen Dinge gelernt, die mir in der gesamten Auffassung meines Dienstes wichtig geworden sind: Mut zur Offenheit lohnt sich auf die Dauer; sie erhöht dann auch die Glaubwürdigkeit; man kann vieles, was überaus kompliziert erscheint und vielleicht auch ist, in allen Medien und sehr knapp sagen; fast immer findet man eine Lücke, um auch bei knapper Zeit und auf engstem Raum das zu sagen, worauf es einem ankommt; Zivilcourage und „Freimut“ (ursprünglich ein biblisches Wort: parrhesia) werden vielleicht nicht immer belohnt, aber sie entlasten das eigene Gewissen. Ich musste immer auch über die eigenen Interessen und Grenzen hinaussehen, um auch in Rom und anderswo einigermaßen verstanden zu werden; ernsthafte Konflikte darf man nicht scheuen.

Ob mir dies gelungen ist, wollte ich nie von mir aus beurteilen. Es gab in meinen Augen Gelingen und Scheitern. Aber ich wollte mich nicht zum Richter über mich selbst machen, durchaus im Wissen, dass man manches noch besser machen kann. Überzeugende Wahrheit braucht Dienstbereitschaft und Bescheidenheit, gerade wenn die Botschaft manchmal auch sperrig ist.

Ich freue mich auch über diese Anerkennung aus einem anderen Grund, der mehr in meiner Biografie und Familiengeschichte liegt: Der Urgroßvater väterlicherseits saß als Chefredakteur einer frühen Tageszeitung während des Kulturkampfes in Hechingen (Hohenzollern) für einige Zeit im Gefängnis, weil er für die Pressefreiheit kämpfte. Mein Vater war als Volksschullehrer in mindestens zehn Dörfern, viermal von den Nazis strafversetzt, für die vielen Schülerinnen und Schüler ein leidenschaftlicher Kommunikator. Mein leider früh verstorbener jüngerer Bruder hat mir als Journalist wegen seines offenen Mutes zur Wahrheit und wegen seiner Unabhängigkeit imponiert. Viele in den Medien engagierte Frauen und Männer, vom Verlagswesen bis zu den digitalen Medien, darf ich mit Gewinn zu meinen Freunden zählen, von denen ich immer wieder gelernt habe. Vieles verdanke ich auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Darum habe ich an diesem Abend ganz besonders zu danken für die Verleihung dieses Preises. Ich wünsche vor allem Ihnen persönlich und besonders in rauherer Zeit beruflich in Gottes Segen alles Gute."


eingetragen : So, 21. September 2008 16:42